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In der Kunst gibt es keine Scheu vor Gegensätzen Ausstellung von vier Künstlern in Hohhaus
In das Hohhaus-Palais am Berliner Platz strömte das Publikum zur Vernissage der Kunstfreunde Vogelsberg, die von Erwin Fauß (Saxophon) und Rudolf Jacob (Gitarre) musikalisch verfeinert wurde. Horst Reuter begrüßte die Gäste, die zur Ausstellung der vier Künstler gekommen waren, die Reuter knapp portraitierte. Eine regelrechte Laudatio wollten alle vier nicht, und so musste sich der Festredner Dieter Kellermann schon etwas einfallen lassen, um auf die Bilder einzustimmen. Mit einer Folge von Zitaten, was Kunst sei, dokumentierte er deren Vielfalt und Gegensätzlichkeit. Diese sollten sich auch in der Viererausstellung zeigen.
Im vorderen Ausstellungsraum begegnet der Hohhaus-Gast zunächst den werken von Ursula Möller und Otto E. Fischer. Ursula Möller, die in Lauterbach geboren wurde und mehrere künstlerische Ausbildungen absolvierte, arbeitet seit über 20 Jahren mit Aquarelltechnik. Ihre ausgestellten Arbeiten zeigen Landschaften, Blumen und Gartenansichten mit freundlichem Charme. Die Farben wirken so klar, als blicke man durch speziell gereinigte Luft. Eine leichte Überhöhung, die ihre eigene Faszination gegenüber den Motiven nicht verschleiert, Romantik impliziert und zeigt, dass sie zuerst mit dem Gefühl das Fundament ihrer Bilder legt. Gegensätzlich dazu ist bei Otto E. Fischer ein verstandesmäßiger Ansatz unverkennbar. Der Pädagoge und Schüler von kurt Meyers weiß bei seinen Ölbildern und Aquarellen genau, was er ausdrücken will und sucht dann nach der adäquaten Form. Komplementärwirkungen von Farben, die mehrschichtig mit dem Spachtel aufgetragen räumliche Wirkung entfalten, und ikonographische Anspielungen werden wohl kalkuliert. Selbst Blumen auf einer Wiese erhalten so eine gewisse Signalwirkung und stimmen bei aller Schönheit nachdenklich.

Bild: Gespräch am Rande der Ausstellung im Hohhaus.
Einer der zahllosen Gegensätze der Ausstellung lässt sich auch zwischen den beiden Räumen finden. Denn bei den Bildern von Inka G. Kellermann und Heinz Seibert im zweiten Raum bilden Motiv, Technik, Ausdruck, beziehungsweise Aussage, Gefühl und verstand, Bild und Individualität des Künstlers stärker eine Einheit. Kellermann hat viele Jahre bei namhaften Künstlern studiert. Auch sie zeigt Blumenbilder, zudem Still-Leben und ein eindruckvolles Figurenensemble in größeren Formaten mit Acryl auf Leinwand. Hier scheinen die Motive intensiv mit ihrem Hintergrund zu korrespondieren, der vielleicht sogar das Wesentliche ist. Licht und Konturen sind aller Starre entbunden, durch fließendes, vitales Kolorit. Sie zeigt so gleichsam auf, dass Bewegung nicht nur Ortswechsel meint, sondern auch im stillen Blütenblatt oder im fensterkreuz beheimatet ist. Der gelernte Graphiker aus Rüsselsheim, Seibert, der seit mehreren Jahren in Lauterbach lebt und in der Region ausgestellt hat, überrascht mit hellen Landschaftsbildern in Öl aus dem Vogelsberg. Hier gelang es ihm, seine stilistischen Merkmale und ein Kaleidoskop an Eindrücken zu verbinden. Impulsivität gepaart mit Einfühlsamkeit bei der Farbgebung, sein fundierter Bildaufbau mit sicherer Konturierung und die typische, prismenartige Auflösung von Gesamteindrücken vermitteln das hintergründig Prägende der Landschaft. Es ist, als seien die Jahreszeiten mit ihrem speziellen Lichtspiel vereint, sanfte und schroffe Formen, Urwüchsiges und Modernes schmiegen sich ohne Enge aneinander. Seibert hat auch Federzeichnungen ausgestellt, die klaren Blick und Malwitz dokumentieren und mehrere Ölgemälde von aufwühlender Schönheit. Ein Bild hängt schon vom Titel her, aber auch sonst exemplarisch für den Kern seines Schaffens. Es heißt: "Leben".
Die äußerst vielschichtige Ausstellung hat dem Betrachter viel zu geben. Sie kann zu den Öffnungszeiten des Museums noch bis zum 1. April besucht werden.
Text: Martin Krauss in Lauterbacher Anzeiger - 5. März 2001
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